Weiterbildungsprojekt in der Flüchtlingshilfe

Im Jahr 2015 sind über 1 Million Menschen vor Gewalt, Bürgerkrieg oder Verfolgung geflohen und nach Deutschland gekommen. Und in diesem Jahr ist bisher nur ein geringer Rückgang der Zahlen zu beobachten. Daher ja auch der Beschluss der Koalition in Berlin, die Zugangshürden weiter zu erhöhen und das Bleiberecht einzuschränken, das sogenannte „Asylpaket II“.

Diese große Anzahl von geflüchteten Menschen ist eine enorme Herausforderung für die Soziale Arbeit mit den Geflüchteten: Aktuelle Notlagen müssen gemildert werden, der gesellschaftliche Integrationsprozess muss  unterstützt werden, damit wir das schaffen.
Auch die Flüchtlingshilfe leidet unter dem Fachkräftemangel seit einigen Jahren innerhalb der sozialen Arbeit.

Michael Lucan erzählt uns etwas über ein Projekt der Fachhochschule Münster,
ein Weiterbildungsprojekt für Beschäftigte  in der sozialen Arbeit:

„Wir schaffen das“! Die immer noch populäre Parole unserer Bundeskanzlerin in Sachen Flüchtlingskrise: Wir schaffen das! Eine Kritik beschäftigt sich immer wieder mit dem „Wie“! Wie schaffen wir das? Wie sollen wir das denn schaffen?

Für diejenigen, die in sozialen Berufen im Bereich der Flüchtlingshilfe arbeiten, haben sich die Fachhochschule Münster und mit ihr die Hochschule Bremen Ihre eigenen Gedanken gemacht. Ergebnis ist ein Weiterbildungsangebot mit dem Titel „Neu in der Flüchtlingshilfe“.

Prof. Dr. Stefan Gesmann vom Fachbereich Sozialwesen der FH Münster: „In der Regel richten wir uns mit unserem Weiterbildungsprogramm an der Fachhochschule Münster explizit an Fachkräfte der sozialen Arbeit, d.h. an Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter. Wir nehmen aber wahr, dass innerhalb der Flüchtlingshilfe aufgrund des Fachkräftemangels auch in der sozialen Arbeit auch viele Kolleginnen und Kollegen arbeiten, die nicht explizit einen Abschluss innerhalb der sozialen Arbeit haben. Also z.B. Soziologen, Philosophen, wir haben von Geographen gehört, die in der Flüchtlingshilfe arbeiten, Lehrer, die das erste Staatsexamen gemacht haben. Also, eine sehr bunt gemischte Zielgruppe, die im Handlungsfeld der Flüchtlingshilfe tätig sind und die parallel zu ihrer beruflichen Tätigkeit spezifisch für dieses Handlungsfeld der Flüchtlingshilfe aus- und weitergebildet werden.“

Die Veranstaltungsreihe der FH Münster „Neu in der Flüchtlingshilfe“ besteht aus 4 Modulen, jeweils zweitätigen Veranstaltungen, in denen die Teilnehmer die vielschichtigen Aspekte der Flüchtlingshilfe näher kennenlernen sollen.

Freuen sich auf den Start der Weiterbildungsveranstaltung: Prof. Dr. Stefan Gesmann, Geschäftsführer des Referats Weiterbildung am Fachbereich Sozialwesen der FH Münster, und Prof. Dr. Sabine Wagenblass von der Hochschule Bremen. (Foto: FH Münster/Pressestelle)
Freuen sich auf den Start der Weiterbildungsveranstaltung: Prof. Dr. Stefan Gesmann, Geschäftsführer des Referats Weiterbildung am Fachbereich Sozialwesen der FH Münster, und Prof. Dr. Sabine Wagenblass von der Hochschule Bremen. (Foto: FH Münster/Pressestelle)

Prof. Gesmann: „Also zum einen geht es darum, in einem ersten Modul erstmal eine Einführung in das Feld der Flüchtlingshilfe zu bekommen .Wir haben erlebt, das viele Kolleginnen und Kollegen, die dort arbeiten, wirklich von heute auf morgen in dieses Feld mehr oder weniger geworfen werden, und sich erstmal tatsächlich orientieren müssen. Damit geht es also los: einen Überblick zu bekommen.“

Im Zweiten Modul geht es um die Auseinandersetzung mit den rechtlichen Rahmenbedingungen. Hierzu gehört das Ausländerrecht, z.b. auch, welche unterschiedlichen rechtlichen Status geflüchtete Menschen hier in Deutschland haben können und welche Konsequenzen das in der Flüchtlingshilfe hat.

„Und dann geht es in einem dritten Modul in die psychosoziale Versorgung von Flüchtlingen. Nach wie vor gibt es keine validen Daten darüber, wie viele der Flüchtlinge tatsächlich traumatisiert sind. Aber es ist davon auszugehen, dass das eine große Anzahl ist. Und diese Form von Traumata, die die geflüchteten Menschen erlebt haben, sind andere Traumata, als wir sie z.B. in der Kinder- und Jungendhilfe in Deutschland kennen. Auch da braucht es noch mal spezielle Kompetenzen.“

Das gilt übrigens ganz besonders auch für den Bereich von Kindern und Jugendlichen, den „unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen“, die zu uns nach Deutschland kommen, und die in aller Regel auch sehr unterschiedliche Formen der Traumatisierung erlebt haben.

„Man könnte alleine dazu, nur zu dem Thema Kinder und Jugendliche, die eine Flucht erlebt haben, sicherlich ein eigenes Weiterbildungskonzept entwickeln. Das ist im Grunde genommen so eine Art Querschnittsthema, das sich durch alle Module ziehen wird, noch mal das Thema ‚Wie gehen wir eigentlich mit unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen um‘? Wir versuchen es tatsächlich hier, auf Menschen, auf Erwachsende und Kinder und Jugendliche zurecht zu schneiden. Und wir sind selber sehr neugierig, wir verstehen uns hier gleichzeitig auch als Lernende, die von den Teilnehmenden zurückgemeldet bekommen, an welchen Stellen wir möglicherweise dieses Konzept noch mal nachjustieren müssen.“

Zurück zu den Modulen der Weiterbildungsreihe „Neu in der Flüchtlingshilfe“. Ein wichtiges Modul fehlt uns noch. Prof. Gesmann:  „Das vierte und letzte Modul, das bezieht sich auf das Theme Kommunikation: Interkulturelle Kommunikation, interkulturelle Kompetenz. Wie gehe ich also mit Menschen um, deren Kulturkreis ich gar nicht kenne, welche Kompetenzen muss ich mir selber aneignen, um mit diesen Menschen in einen Dialog einsteigen zu können?“

Die Veranstaltungsreihe „Neu in der Flüchtlingshilfe“ wendet sich nicht an ehrenamtliche Flüchtlingshelfer, sondern an solche, die bei den zahlreichen Trägern der sozialen Arbeit bereits arbeiten oder als Reaktion auf die ansteigende Zahl der Flüchtenden neu eingestellt wurden und werden, insbesondere als Berufseinsteigern und Quereinsteigern aus anderen Tätigkeiten.
Neben der Vermittlung von fachspezifischem Wissen und Methoden will das Weiterbildungskonzept „Neu in der Flüchtlingshilfe“ auch dazu beitragen, das eigene Handeln kritisch zu betrachten.

Die einzelnen Module werden von Referenten/-innen aus Wissenschaft und Praxis übernommen, die allesamt einen engen Bezug zur Flüchtlingshilfe haben.

Prof. Gesmann: „Wir haben für dieses Weiterbildungskonzept eine Mischung aus Expertinnen und Experten, die innerhalb der Wissenschaft sich mit dem Thema Flüchtlingshilfe auseinander gesetzt haben, und zugleich Personen die in der Praxis in der Flüchtlingshilfe selber tätig sind.
Wir haben bei uns im Fachbereich Münster den Prof. Dr. Aladin El-Mafaalani, der ausgewiesener Experte fürs Thema Migration und Flucht ist. Ihn konnten wir gewinnen die fachliche Leitung dieser Weiterbildungsreihe zu übernehmen. Und er eröffnet auch das Weiterbildungskonzept am ersten Tag im ersten Modul. „

Noch sind in dem für etwa 20 Personen ausgelegten Kurs Plätze frei, wer Interesse hat oder sich nur näher informieren will, findet alle Infos auf der Webseite

http://www.neu-in-der-fluechtlingshilfe.de

Prof. Gesmann: „Die Teilnahmegebühr für dieses Weiterbildungskonzept liegt bei 995,00 Euro. Und in diesem Teilnehmerentgelt sind die sämtlichen Materialien und die Versorgung mit Tagungsgetränken während der einzelnen Module bei uns in der Hochschule Münster enthalten.“

Das erste Seminar, das erste Modul findet am 19. und. 20 April in Münster statt, die weiteren Termine sind im Mai, Juli und August. Nochmal die Webseite für weitere Infos: www.neu-in-der-fluechtlingshilfe.de.

Author: Michael Lucan

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